NOTEL

Von "Stinkefüßen" und anderen Erfahrungen
Kathrin Janßen berichtet von ihrer fünfjährigen Arbeit im NOTEL


Einige Mitarbeiter des Notel-Team, vor dem Notel in der Victoriastraße in Köln.
Mit dem Abschluss meines Studiums der Sozialpädagogik ging auch meine Zeit in Köln zu Ende. Als Studienanfängerin begann meine Zeit mit einem Praktikum im Notel. Ich hatte zuvor schon Junkies auf der Straße gesehen, aber noch nie näheren Kontakt zu ihnen gehabt. Dementsprechend war ich zunächst sehr unsicher, vor allem wenn es darum ging als 21-jährige Regeln gegenüber wesentlich älteren Leuten durchzusetzen. Glücklicherweise war das Team stets auf meiner Seite und ermutigte mich dazu, meine eigenen Erfahrungen zu machen.
So erlebte ich viele unangenehme Situationen, war oft verunsichert. Letztendlich habe ich aber gerade in diesen Momenten viel gelernt, nicht nur in bezug auf meine spätere Tätigkeit, sondern auch für mein eigenes Leben.
Was erwidert man wenn einem erzählt wird, das Gegenüber hätte sich in einen verliebt, ohne ihm wehzutun? Wie lehnt man eine Einladung zum Kino ab? Das Notel war manchmal eine harte Schule, aber es fand sich immer jemand vom Team, der Zeit für ein klärendes Gespräch hatte. So konnte ich viele Eindrücke verarbeiten und meine eigenen Grenzen erkennen. Heute ist es für mich kein Problem mehr, er möge sich bitte seine "Stinkefüße" waschen, bevor wir gemeinsam zu Abend essen.

Nach meinem vierwöchigem Praktikum arbeitete ich noch zwei Jahre ehrenamtlich, später auf Honorarbasis im Notel. Ich habe mich sehr darüber gefreut als mir das Angebot gemacht wurde, als hauptamtliche Honorarkraft tätig zu werden. Für mich bedeutet das Anerkennung meiner Arbeit und vor allem der Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen. Für diese Honorierung meiner Arbeit und die Unterstützung des Teams möchte ich mich auch auf diesem Weg recht herzlich bedanken.

Aber ich will auch von schönen Ereignissen berichten. Die Möglichkeit den Lebensweg viele unserer Gäste über Jahre beobachten zu können hat mich tief beeindruckt. Bei dieser Arbeit sind es die kleinen Erfolge der Junkies die für mich zählen. Sich jemandem öffnen und über seine Probleme, Sorgen und Ängste zu sprechen. Sich, mehr oder weniger, erfolgreich gegen den Zuhälter wehren. Termine eingehalten zu haben. Das Glänzen in den Augen eines Junkies, der seinen Sohn nach Monaten zum ersten Mal wiedersehen durfte. Für uns "normale" Menschen sind das normale Dinge, für einen Junkie ist das aber schon eine Leistung. Ich mache mir nichts vor, ich allein kann diese Welt nicht verbessern. Ich kann aber meinen Beitrag leisten sie vielleicht ein Stück zu verändern oder zu verbessern. Sei es nur dadurch, dass ich jemandem zuhöre und einfach da bin. Die Erfahrungen meiner Arbeit haben mich darin bestätigt, etwas sinnvolles zu tun.

Mit dem Ende meiner Arbeit in Köln beginnt für mich ein weiterer Lebensabschnitt, der nicht unwesentlich, aber auch nicht direkt mit dem Notel in Verbindung steht. Ich möchte ihn aber trotzdem erwähnen. Durch einen glücklichen Umstand hatte ich die Gelegenheit, mir meinen Lebenstraum zu erfüllen. Bei einem "Eine-Welt-Tag", der von Misereor ins Leben gerufen wurde, lernte ich die Organisation "Kinderdorf-Rio" kennen, dessen Gründer der Spiritaner-Pater Hermann Josef Wüste war. Daraufhin verbrachte ich zehn wunderschöne Monate in Brasilien und werde nach meinem Studium für mindestens ein Jahr dorthin zurückgehen, um in einem Straßenkinderprojekt zu arbeiten.
Mein Leben wurde also nicht nur in der Vergangenheit durch die Bekanntschaft mit der Missionsgesellschaft geprägt, sondern auch meine Zukunft hängt, in gewisser Weise, damit zusammen. Aber egal wo ich zu der Zeit sein werde, zum 20-jährigen Bestehen des Notels werde ich auf jeden Fall nach Köln zurückkehren.

Kathrin Janßen
www.notel-koeln.de


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BLZ 370 100 50


Es ist verdammt gut, dass es Euch gibt. Wenn ich mir vorstelle, dass ich sonst im Park pennen müsste... Das NOTEL ist schon fast für mich wie eine Familie geworden!
Harald

 
Ohne NOTEL wäre ich schon unter der Erde!     
Heinz

 
Ich warte jetzt schon seit 3 Monaten auf ein Hotelzimmer. Stell Dir vor, ich müsste immer in den selben Klamotten rumlaufen, und dann könnte ich mich noch nicht mal duschen!
Josef
 
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