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Das kostbare Nass
Wird Wasser zur teuren Ware nur für Reiche?
Das Jahr 2003 ist das Jahr des Süßwassers. Gleichzeitig wird dieses Jahr vielleicht eine der wichtigsten Entscheidungen für unsere Zukunft getroffen: Europäische Politiker sehen die Lösung des Problems, jedem Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen, in der Privatisierung der Wasserversorgung. Bei den GATS-Verhandlungen drängen sie darauf, dass alle, vor allem aber ärmere Länder die Wasser-Versorgung in die Hände großer Unternehmen geben.
Dabei werden viele negative Aspekte dieser Maßnahme einfach übergangen. Die Wasserversorgung ist zum jetzigen Zeitpunkt noch zu 80% in öffentlicher Hand. Nur zwanzig Wasserversorgungsunternehmen teilen sich bereits jetzt den privaten Markt und warten auf neue Geschäfte. Marktanführer sind die beiden französischen Unternehmen Vivendi und Suez, gefolgt von der deutschen RWE. Besonders in der Dritten Welt wird eine Privatisierung der Wasserversorgung zu einer menschlichen Katastrophe führen. Die großen Firmen verdrängen die örtlichen Unternehmen vom Markt, denn sie haben die finanziell besseren Möglichkeiten. Ein Beispiel ist die im Jahr 2000 gegründete "Deutsche Wasserallianz" (ein Zusammenschluss von Bilfinger & Berger, ABB und MVV). Diese Firmen liefern alles - angefangen vom Bau der Wasserleitung bis hin zur Endabrechnung. Dagegen kommen kleinere lokale Unternehmen nicht an.
Kleine Dörfer in ländlichen Gegenden werden die Verlierer sein, da es für die Global Players nicht rentabel ist, teure Wasserleitungen in ein abgeschiedenes Dorf zu legen. Die Staaten können daran nichts ändern - sie haben kein Mitspracherecht in Bezug auf Preisgestaltung oder Versorgung auch ärmerer Gebiete. Für die Menschen vor Ort werden nach einer Privatisierung die Wasserpreise voraussichtlich dramatisch steigen, so dass sie sich Wasser zum Kochen oder Waschen bald nicht mehr leisten können. Damit werden sie ausgeschlossen von einem lebensnotwendigen Wasser, ohne das kein Mensch überleben kann. Da jeder Mensch und jedes Land auf Wasser angewiesen ist, gewinnen die Unternehmen vor allem nach weiteren Fusionen immer mehr Macht, die sie auch in Regierungen ausspielen können. Wasser wird in diesem Jahrhundert die knappeste und am meisten umkämpfte Ressource werden, denn weltweit sinkt der Grundwasserspiegel. Durch den sorglosen Umgang der Menschheit mit der Erde kann zu wenig Regenwasser ins Grundwasser durchsickern. So ist man schon heute gezwungen, fossile Wasservorräte in der Dritten Welt zu erschließen. Diese haben sich in zehntausend Jahren gebildet und können sich nicht mehr erneuern.
Auch die Situation in Deutschland sollte uns zu denken geben. Der Bodensee ist ein wichtiges Trinkwasserreservoir für die ganze Region Bodensee bis Stuttgart. Doch der Pegel des Bodensees fällt zur Zeit täglich um zwei Zentimeter.Wir alle brauchen Wasser - hier in Deutschland genauso wie in den südlichen Ländern der Erde. Wasser ist ein Menschenrecht, für das wir alle eintreten müssen, und keine Handelsware, aus der die internationalen Konzerne Profit schlagen dürfen. Annemarie Kastelsky, Daniela Lück, Doris Köhncke Zum Artikel "Wussten Sie, dass.....",, wissenswertes über Wasser aus einem Merkblatt, welches MaZler während des Sommerkurses 2003 erstellten.
(Auf den Fotos sehen Sie MazīlerInnen während einer Aktion in der Stuttgarter Fußgängerzone, in der sie Passanten auf die Wasserproblematik aufmerksam machen.)
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