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Pater Amandus Acker, erster Spiritanerprovinzial, machte Deutschland zu seinem Missionsgebiet.
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1848, ein schicksalhaftes Jahr des 19. Jahrhunderts, war das Geburtsjahr von
Amandus Acker. Seine Wiege stand in Weyersheim im Unterelsass. Schicksalhaft
war für Amandus der frühe Tod seiner Eltern. Ein verwandter Arzt wurde sein
Vormund, der dem Jungen mit seinem Sprachfehler nur den Beruf eines
Kutschers meinte zutrauen zu können. Doch eine Tante hatte wohl einen
weitreichenderen Blick für ihn: sie ebnete ihm den Weg in eine
Missionsschule der Spiritaner, wo eine besondere Berufung geahnt und
gefördert wurde. Amandus wurde Spiritaner. Er war 27, als er nach Sansibar
geschickt wurde, wo er sich als Seelsorger und Prokurator um freigekaufte
Kindersklaven kümmerte. Obwohl kein Sprachgenie, konnte er sich in Arabisch,
Goanesisch und drei Eingeborenensprachen gut unterhalten, wobei ihm die Ehre
Gottes wichtiger war als die Grammatik.
Seine Diplomatie und seine Ausdrucksweise waren alles andere als umständlich
und schmeichelhaft. Nicht zu verwundern, dass es zu "politischen Spannungen"
kam. Pater Acker kehrte 1894 nach Europa zurück.
Vom General seines Ordens und vom Kardinalpräfekten der römischen
Missionsbehörde "zum Su-perior der deutschen Provinz seiner Gemeinschaft
bestellt, war Pater Acker vorerst ihr einziges Mitglied" (Pater
Josef-Theodor Rath).
Das Kloster Knechtsteden fand Acker nach einem Brand nur noch als Ruine vor.
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Da gab es am Niederrhein zwischen Köln und Neuss die ehemalige
Prämonstratenserabtei Knechtsteden, im 12. Jahrhundert gegründet, 1803
säkularisiert. Was Pater Acker dort vorfand, war eine Schutthalde, die nach
einem Großbrand 1869 übrig geblieben war. Dort anzufangen erlaubte ihm die
preußische Regierung, und der Kölner Erzbischof gab dazu mehr als seinen
Segen.
Wichtiger war, was Pater Acker so ausdrückte: "Ich setze mein Vertrauen auf
Gott. Wenn ich die Hand ans Werk lege, tue ich es mit nicht zu
erschütterndem Mut. Dass unsere Ordensgemeinschaft nach Deutschland
zurückkehrt, ist so klar der Wille Gottes, dass daran kein Zweifel möglich
ist." Die erste Spiritanerzeit in Deutschland betrug nur zehn Jahre
(1863-1873). Als "jesuitenverwandt" fielen die Spiritaner ebenso wie die
Redemptoristen und Lazaristen dem Kulturkampf zum Opfer. Für alle drei
Kongregationen erkämpfte Pater Acker die Rückkehr nach Deutschland.
Wie Pater Acker an die Trümmerstätte Hand anlegte, sei mit den Worten des
dritten Jesaja gesagt: "Deine Leute bauen die uralten Trümmerstätten wieder
auf. Die Grundmauern aus der Zeit vergangener Generationen stellst du wieder
her. Man nennt dich den Maurer, der die Risse ausbessert, den, der die
Ruinen wieder bewohnbar macht (Jes 58,12)." Die "Leute" Pater Ackers waren
vor allem die tüchtigen Handwerkerbrüder: Maria Paul Schikarski, Matthäus
Lingg, Jodokus Stolte, Ansbert Ullrich, Marternus Comte und Aristobul
Lülsdorf. Zum Teil kamen sie "ausgeliehen" aus Frankreich und Portugal.
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Bereits ein Jahr nach Einzug in Knechtsteden wurde die Missionsschule eröffnet.
Die Aufnahme entstand 1897.
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Bereits 1896 konnte Pater Acker 26 Schüler und 17 Brüderaspiranten
aufnehmen. Als Kardinal Krementz das "Missionshaus" einweihte, konnte ein
glanzvolles Fest gefeiert werden. Tausende feierten mit. Pater Acker
begrüßte sie und "machte ihnen den Willen Gottes klar" (P. Josef-Theodor
Rath). Apropos "Wille Gottes": Der Generalobere Le Roy sagte nach Pater
Ackers Tod: "Er besaß das besondere Gnadenprivileg, den Willen Gottes stets
mit dem eigenen in Übereinstimmung zu wissen."
Wichtiger als das höchst
anerkennenswerte Bauen von 1895 - 1908 ist die erstaunliche missionarische
Begeisterung, die von der Persönlichkeit Pater Ackers ausging. Dazu gehörte
seit 1899 das Echo aus Knechtsteden. Aus der Illustrierten
Missionszeitschrift der Väter vom Heiligen Geist, die monatlich erschien,
machte Pater Acker ein erfolgreiches Werbeblatt für seinen Missionsgedanken.
Schon nach zwei Jahren hatte das Echo 7000 Abonnenten. Ihre Zahl stieg
schnell weiter. Viele Gönner und Freunde wußte Pater Acker zu motivieren. In
einem Bericht an die Generalverwaltung in Paris heißt es: "Ganz Deutschland
hat Pater Acker zu seinem Missionsfeld gemacht."
Auf Katholikentagen (Regensburg 1904, Düsseldorf 1908) gelang es ihm, eine
eigene Missionsveranstaltung ins Programm zu bringen. In Straßburg (1905)
war Pater Acker Präsident der Missionsversammlung. Bei einer Wallfahrt nach
Rom (1908) suchte er Papst Pius X. missionarisch zu begeistern und zu einer
Missionsenzyklika anzuregen. Material dafür hatte Pater Acker in seiner
Aktentasche bei sich. Ihn segnend sagte der Papst: "Videbimus", das heißt
"wir werden sehen". Pater Acker sah nichts und war enttäuscht. Mehr Echo
fand er bei Kaiser Wilhelm II., dem er dreimal begegnete und den er einen
"echt christlichen Menschen" nannte. Pater Acker sorgte dafür, dass Kaisers
Geburtstag in Knechtsteden alljährlich zünftig gefeiert wurde.
Als 1910 die Konferenz der Supe-rioren der missionierenden Orden gegründet
wurde, wählte man Pater Acker zu deren Präsidenten. Das blieb er bis 1917.
Über ihn schreibt Pater Robert Streit OMI: "Wo es um Mission ging, war der
Provinzial von Knechtsteden mit Leib und Seele dabei. Lebhaftes Interesse
und Verständnis brachte er, der in der Missionspraxis grau geworden war,
neueren missionswissenschaftlichen Bestrebungen entgegen. Wir finden seinen
Namen unter den ersten Mitzeichnern der Zeitschrift für
Missionswissenschaft."
Noch vieles wäre aus der reichhaltigen Biographie Pater Ackers zu erwähnen
wie die Gründung weiterer Niederlassungen:
1900 die Missionsschule St. Florent in Zabern;
1904 das Klerikernoviziat in Neuscheuern (Lothringen);
1905 die Missionsschule vom Heiligen Geist in Broich bei Aachen;
1914 das Erholungsheim in Heimbach/Eifel (später Noviziat).
Das Wichtige und Bleibende sind der äußere und innere Aufbau von
Missionshaus und Provinz Knechtsteden; vor allem die für ganz Deutschland
bedeutsame missionarische Animation, die von der charismatischen
Persönlichkeit Pater Ackers ausging.
Aus Dankbarkeit für seine enorme Aufbauleistung wurde die kleinste der fünf Glocken, die seit 1931 im Turm der Knechtstedener Basilika hängt, nach Pater Amandus Acker benannt.
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Von der Last der Jahre gebeugt, verlebte er, nachdem er 1919 die Leitung des
Knechtstedener Provinz an Pater Leo Klerlein abgegeben hatte, seinen
Lebensabend in seinem geliebten Knechtsteden. Ein Nierenleiden mit
zunehmender Erblindung, ein Schlaganfall mit halbseitiger Lähmung und eine
Lungenentzündung waren die medizinischen Ursachen seines Todes am 30. März
1923. Dieser Tag war der Karfreitag. Es waren Tag und Stunde der Kreuzigung
Jesu. Am Ostermontag folgten sehr viele Missionsfreunde seinem Sarg, der zur
Rechten des Friedhofskreuzes in die Erde Knechtstedens gesenkt wurde.
Kardinal Schulte leitete die österliche Begräbnisfeier.
Seit 1931 hat die Knechtstedener Basilika ihr fünfstimmiges Geläute mit dem
Klangmotiv "Te Deum laudamus". B-Des-F-Es-Ges sind die Töne der Melodie. Die
Ges-Glocke trägt den Namen "Amandus". Wenn die Sakristane die Glocken in der
richtigen Reihenfolge einschalten, erklingt zuerst die Amandusglocke. Sie
besingt mit ihrem Klang, dass Pater Acker wirklich ein "Amandus" ist: Einer,
den man lieben muss."
Pater Erwin Wiesler, CSSp