Veröffentlichungen

anlässlich des Jubiläums in der Missionszeitschrift kontinente, die die Spiritaner mit 23 weiteren Ordensgemeinschaften herausgeben.

Ausgabe März/April 2002
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Pater Amandus Acker, 1848-1923:
Aus Trümmern wuchs missionarisches Leben


Pater Amandus Acker, erster Spiritanerprovinzial, machte Deutschland zu seinem Missionsgebiet.
1848, ein schicksalhaftes Jahr des 19. Jahrhunderts, war das Geburtsjahr von Amandus Acker. Seine Wiege stand in Weyersheim im Unterelsass. Schicksalhaft war für Amandus der frühe Tod seiner Eltern. Ein verwandter Arzt wurde sein Vormund, der dem Jungen mit seinem Sprachfehler nur den Beruf eines Kutschers meinte zutrauen zu können. Doch eine Tante hatte wohl einen weitreichenderen Blick für ihn: sie ebnete ihm den Weg in eine Missionsschule der Spiritaner, wo eine besondere Berufung geahnt und gefördert wurde. Amandus wurde Spiritaner. Er war 27, als er nach Sansibar geschickt wurde, wo er sich als Seelsorger und Prokurator um freigekaufte Kindersklaven kümmerte. Obwohl kein Sprachgenie, konnte er sich in Arabisch, Goanesisch und drei Eingeborenensprachen gut unterhalten, wobei ihm die Ehre Gottes wichtiger war als die Grammatik. Seine Diplomatie und seine Ausdrucksweise waren alles andere als umständlich und schmeichelhaft. Nicht zu verwundern, dass es zu "politischen Spannungen" kam. Pater Acker kehrte 1894 nach Europa zurück.

Vom General seines Ordens und vom Kardinalpräfekten der römischen Missionsbehörde "zum Su-perior der deutschen Provinz seiner Gemeinschaft bestellt, war Pater Acker vorerst ihr einziges Mitglied" (Pater Josef-Theodor Rath).


Das Kloster Knechtsteden fand Acker nach einem Brand nur noch als Ruine vor.
Da gab es am Niederrhein zwischen Köln und Neuss die ehemalige Prämonstratenserabtei Knechtsteden, im 12. Jahrhundert gegründet, 1803 säkularisiert. Was Pater Acker dort vorfand, war eine Schutthalde, die nach einem Großbrand 1869 übrig geblieben war. Dort anzufangen erlaubte ihm die preußische Regierung, und der Kölner Erzbischof gab dazu mehr als seinen Segen.

Wichtiger war, was Pater Acker so ausdrückte: "Ich setze mein Vertrauen auf Gott. Wenn ich die Hand ans Werk lege, tue ich es mit nicht zu erschütterndem Mut. Dass unsere Ordensgemeinschaft nach Deutschland zurückkehrt, ist so klar der Wille Gottes, dass daran kein Zweifel möglich ist." Die erste Spiritanerzeit in Deutschland betrug nur zehn Jahre (1863-1873). Als "jesuitenverwandt" fielen die Spiritaner ebenso wie die Redemptoristen und Lazaristen dem Kulturkampf zum Opfer. Für alle drei Kongregationen erkämpfte Pater Acker die Rückkehr nach Deutschland.

Wie Pater Acker an die Trümmerstätte Hand anlegte, sei mit den Worten des dritten Jesaja gesagt: "Deine Leute bauen die uralten Trümmerstätten wieder auf. Die Grundmauern aus der Zeit vergangener Generationen stellst du wieder her. Man nennt dich den Maurer, der die Risse ausbessert, den, der die Ruinen wieder bewohnbar macht (Jes 58,12)." Die "Leute" Pater Ackers waren vor allem die tüchtigen Handwerkerbrüder: Maria Paul Schikarski, Matthäus Lingg, Jodokus Stolte, Ansbert Ullrich, Marternus Comte und Aristobul Lülsdorf. Zum Teil kamen sie "ausgeliehen" aus Frankreich und Portugal.

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Bereits ein Jahr nach Einzug in Knechtsteden wurde die Missionsschule eröffnet.
Die Aufnahme entstand 1897.
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Bereits 1896 konnte Pater Acker 26 Schüler und 17 Brüderaspiranten aufnehmen. Als Kardinal Krementz das "Missionshaus" einweihte, konnte ein glanzvolles Fest gefeiert werden. Tausende feierten mit. Pater Acker begrüßte sie und "machte ihnen den Willen Gottes klar" (P. Josef-Theodor Rath). Apropos "Wille Gottes": Der Generalobere Le Roy sagte nach Pater Ackers Tod: "Er besaß das besondere Gnadenprivileg, den Willen Gottes stets mit dem eigenen in Übereinstimmung zu wissen."

Wichtiger als das höchst anerkennenswerte Bauen von 1895 - 1908 ist die erstaunliche missionarische Begeisterung, die von der Persönlichkeit Pater Ackers ausging. Dazu gehörte seit 1899 das Echo aus Knechtsteden. Aus der Illustrierten Missionszeitschrift der Väter vom Heiligen Geist, die monatlich erschien, machte Pater Acker ein erfolgreiches Werbeblatt für seinen Missionsgedanken. Schon nach zwei Jahren hatte das Echo 7000 Abonnenten. Ihre Zahl stieg schnell weiter. Viele Gönner und Freunde wußte Pater Acker zu motivieren. In einem Bericht an die Generalverwaltung in Paris heißt es: "Ganz Deutschland hat Pater Acker zu seinem Missionsfeld gemacht."

Auf Katholikentagen (Regensburg 1904, Düsseldorf 1908) gelang es ihm, eine eigene Missionsveranstaltung ins Programm zu bringen. In Straßburg (1905) war Pater Acker Präsident der Missionsversammlung. Bei einer Wallfahrt nach Rom (1908) suchte er Papst Pius X. missionarisch zu begeistern und zu einer Missionsenzyklika anzuregen. Material dafür hatte Pater Acker in seiner Aktentasche bei sich. Ihn segnend sagte der Papst: "Videbimus", das heißt "wir werden sehen". Pater Acker sah nichts und war enttäuscht. Mehr Echo fand er bei Kaiser Wilhelm II., dem er dreimal begegnete und den er einen "echt christlichen Menschen" nannte. Pater Acker sorgte dafür, dass Kaisers Geburtstag in Knechtsteden alljährlich zünftig gefeiert wurde.

Als 1910 die Konferenz der Supe-rioren der missionierenden Orden gegründet wurde, wählte man Pater Acker zu deren Präsidenten. Das blieb er bis 1917. Über ihn schreibt Pater Robert Streit OMI: "Wo es um Mission ging, war der Provinzial von Knechtsteden mit Leib und Seele dabei. Lebhaftes Interesse und Verständnis brachte er, der in der Missionspraxis grau geworden war, neueren missionswissenschaftlichen Bestrebungen entgegen. Wir finden seinen Namen unter den ersten Mitzeichnern der Zeitschrift für Missionswissenschaft."

Noch vieles wäre aus der reichhaltigen Biographie Pater Ackers zu erwähnen wie die Gründung weiterer Niederlassungen:
1900 die Missionsschule St. Florent in Zabern;
1904 das Klerikernoviziat in Neuscheuern (Lothringen);
1905 die Missionsschule vom Heiligen Geist in Broich bei Aachen;
1914 das Erholungsheim in Heimbach/Eifel (später Noviziat).

Das Wichtige und Bleibende sind der äußere und innere Aufbau von Missionshaus und Provinz Knechtsteden; vor allem die für ganz Deutschland bedeutsame missionarische Animation, die von der charismatischen Persönlichkeit Pater Ackers ausging.


Aus Dankbarkeit für seine enorme Aufbauleistung wurde die kleinste der fünf Glocken, die seit 1931 im Turm der Knechtstedener Basilika hängt, nach Pater Amandus Acker benannt.
Von der Last der Jahre gebeugt, verlebte er, nachdem er 1919 die Leitung des Knechtstedener Provinz an Pater Leo Klerlein abgegeben hatte, seinen Lebensabend in seinem geliebten Knechtsteden. Ein Nierenleiden mit zunehmender Erblindung, ein Schlaganfall mit halbseitiger Lähmung und eine Lungenentzündung waren die medizinischen Ursachen seines Todes am 30. März 1923. Dieser Tag war der Karfreitag. Es waren Tag und Stunde der Kreuzigung Jesu. Am Ostermontag folgten sehr viele Missionsfreunde seinem Sarg, der zur Rechten des Friedhofskreuzes in die Erde Knechtstedens gesenkt wurde. Kardinal Schulte leitete die österliche Begräbnisfeier. Seit 1931 hat die Knechtstedener Basilika ihr fünfstimmiges Geläute mit dem Klangmotiv "Te Deum laudamus". B-Des-F-Es-Ges sind die Töne der Melodie. Die Ges-Glocke trägt den Namen "Amandus". Wenn die Sakristane die Glocken in der richtigen Reihenfolge einschalten, erklingt zuerst die Amandusglocke. Sie besingt mit ihrem Klang, dass Pater Acker wirklich ein "Amandus" ist: Einer, den man lieben muss."

Pater Erwin Wiesler, CSSp



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