Spiritaner in Knechtsteden

Pater Amandus Acker, der Mann aus Sansibar, hatte vom General seines Ordens in Paris den Auftrag erhalten, in Deutschland eine spiritanische Provinz mit Missionshäusern ins Leben zu rufen.

Für eine erste Niederlassung in der Erzdiözese Köln verwies der Kölner Kardinal ihn auf die alte Prämonstratenserabtei im Besitz der Kölner Armenverwaltung.

Am 25. Februar 1895 erlaubte der preußische Kultusminister P. Acker, in der ehemaligen Prämonstratenserabtei Knechtsteden zur Ausbildung von Missionaren für Deutsch-Ostafrika eine Schule einzurichten. Dank großzügiger Unterstützung durch den Afrikaverein konnte am 23. Oktober 1895 der Kaufvertrag unterschrieben werden.

P. Acker begann auf den Ruinen des weitläufigen Geländes das erste Missionshaus Deutschlands zu errichten. Ernannt zum Superior von Knechtsteden, war er zunächst allein.

Doch der Kölner Reparaturverein und der Neusser Bauverein, die die abgebrannte Basilika wiederhergestellt hatten, lebten im Förderverein für das Missionshaus Knechtsteden wieder auf. Durch den Aufruf des Erzbischofs von Köln entstanden in Dörfern und Städten weitere Ortsgruppen des Fördervereins.

Nachdem P. Acker erste Schüler und Aspiranten aufgenommen hatte, gab am 3. Mai 1896 Kardinal Krementz dem Missionshaus die kirchliche Weihe.

Missionshaus Knechtsteden


Kaiser Wilhelm II. schätzte Pater Acker, der die Abschaffung der Sklaverei und Polygamie sowie die Errichtung von Schulen und Krankenhäusern für die Kolonien forderte.

Auf seine Initiative hin wurden in den deutschen Diözesen Gelder gesammelt zum Loskauf von Sklaven und Sklavenkindern. Knechtsteden erlebte eine neue Blütezeit.

Das durch Ackerbau, Viehzucht und Betriebe fast autonome Klosterdorf erfüllten bis zu 450 Menschen mit Leben. Hier bereiteten sich die zukünftigen Missionare vor: in Ausbildungswerkstätten, im Gymnasium, Postulat, Noviziat und an der Theologisch-Philosophischen Ordenshochschule. Von hier aus zogen sie nach Afrika und Brasilien, in Gegenden, für die die Kirche keine Mitarbeiter fand. Bis neue Zeiten neue Wege brachten.

Am 6. Mai 1941 wurde Knechtsteden wieder einmal, diesmal durch die Nazis, aufgelöst. An Stelle des Superiors herrschte in Knechtsteden ein von der Gestapo eingesetzter Verwalter. Die Brüder durften weiter in Knechtsteden wohnen, arbeiten, ihr Ordenskleid tragen und ihren religiösen Übungen nachgehen. Ende Juli 1941 wurde die wertvolle ethnologische Sammlung von den Nazis nach Berlin verschickt; das meiste ging verloren.

Nach der Zeit des Krieges und der Herrschaft der Nazis mußte wieder neu angefangen werden. Doch das Internat füllte sich bald mit missionsbegeisterten Jungen und das Missionshaus Knechtsteden konnte seiner ursprünglichen Zielsetzung, die Ausbildung von Spiritaner-Missionaren, wieder nachkommen.

Der Rückgang der Berufungen zum Priester- und Ordensleben Ende der sechziger Jahre wirkte sich auch in Knechtsteden aus. Das Internat und die Philosophisch-Theologische Hochschule mußten 1967 geschlossen werden, die Schule von einem Trägerverein übernommen.

Die Zusammenlegung des Kovents in das Hauptgebäude, ermöglichte 1978 die Einrichtung der Tagungsstätte Libermann-Haus im ehemaligen Brüderhaus.

1996 ist das Provinzialat von Köln nach Knechtsteden gezogen. Somit ist Knechtsteden die "Zentrale" für die deutsche Spiritanerprovinz und der hiervon ausgehenden Missionsarbeit.

Die Wandlungen der Zeit gingen und gehen auch an der alterwürdigen Klosteranlage nicht vorüber. Gegenwärtig werden in Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde, dem Land Nordrhein-Westfalen und der Erzdiözese Köln enorme Anstrengungen zum Erhalt der Gebäude unternommen.

Wo zu früherer Zeit die Brüder ihren verschiedenen Werken nachgingen, ist jetzt das Arbeitslosenprojekt APD, ein Selbstversorgerhaus für Jugendliche und ein Kunstverein untergebracht.

Heute leben in Knechtsteden etwa 30 Spiritanerbrüder und -patres. Einige sind alt oder krank und können keine regelmäßigen Dienste mehr übernehmen. Die Aktiven sind auf verschiedene Weise und unter den Ansprüchen heutiger Zeit missionarisch tätig.

So ist die Klosteranlage mit dem Missionshaus der Spiritaner nach wie vor ein Anziehungspunkt für viele Menschen. In großer Zahl kommen sie zu Wallfahrten, zu Veranstaltungen des Libermann-Hauses, zum Oktoberfest oder zu Pfingsten, dem Hochfest der Missionsgesellschaft vom Hl. Geist.

Viele fühlen sich den Spiritanern und ihrer Arbeit verbunden. Besucher erleben Knechtsteden heute als einen Ort, wo sie Natur, Kultur und Religion begegnen können.


 




 
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