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Die Glocken von Knechtsteden
Wie die Gestapo die Glocken stahl...
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1754 - 1769 wurde das erste Geläut, bestehend aus fünf Glocken für die altehrwürdige Abteikirche von Knechtsteden angeschafft. Die fünfte Glocke bekam den Namen Dionysius nach dem damaligen Abt, der sich für dieses erste Geläut eingesetzt hatte. Doch leider war die Freude über die neuen Glocken nur von kurzer Dauer. 1802, nur 33 Jahre später kamen die Franzosen und verschleuderten die Glocken mit vielen anderen kostbaren Dingen des Klosters. 1869 wurde der alte Glockenstuhl aus schweren Eichenbalken ein Opfer der Feuersbrunst. Über ein Jahrhundert blieb die Kirche in Knechtsteden stumm, oder beinahe stumm, denn 1890 bekam sie von der Gemeinde Straberg zwei dünne Stimmen. Eine davon musste während des ersten Weltkrieges ihr Rufen wieder einstellen und die andere war regelrecht heiser geworden. Der damalige Superior von Knechtsteden hatte nur noch einen Gedanken: Neue Glocken müssen her! Man begann mit Theateraufführungen. Diese und einige Konzerte erbrachten die ersten Gelder für neue Glocken. Hinzu kam die hochherzige und großzügige Spende einer edlen Wohltäterin und andere eigens für diesen Zweck gespendete Gaben. Endlich konnte man ein günstiges Angebot annehmen und die neuen Glocken bestellen. Diese wurden von der Firma F. Otto aus Hemelingen bei Bremen geliefert. Von den fünf Glocken bekamen vier überlieferte Namen. Sie wurden der Heiligen Dreifaltigkeit, der Mutter Maria, dem Kirchenpatron St. Andreas und dem Stifter des Prämonstratenserordens St. Norbert zugeeignet. Die fünfte Glocke wurde nun Amadeus genannt, nach dem Neubegründer Knechtstedens Amadeus Acker. Alle fünf Glocken spielten zusammen: Te Deum laudamus! Die größte und schwerste "Dreifaltigkeitsglocke" wog 4012 Kilogramm und die kleinste "Amadeusglocke" nur 923 Kilo.
Den Glocken von Knechtsteden schien kein Glück beschieden. Schon nach neun Jahren, 1940 erschien die Gestapo, um das Geläut abholen zu lassen. Alle Glocken sollten zur Waffenherstellung eingeschmolzen werden. Darüber war Pater Eulogius so erzürnt, dass er ganz schnell und heftig die Glocken läutete. Anschließend schloss er blitzschnell den Glockenturm ab und warf den einzigen Schlüssel in den Kanal. Mit einem verschmitzten Grinsen beobachtete er die Gestapo bei ihren Bemühungen, die solide, alte Eichentüre aufzuhebeln. Inzwischen waren, erschrocken über das wilde Glockenläuten mitten in der Woche, viele Menschen aus Delhoven und Straberg nach Knechtsteden gekommen,um zu sehen, was denn im Kloster passiert sei. Als sie die Geschichte erfuhren, waren die Leute sehr erbost über die Gestapo, konnten sich aber ein Grinsen ob der Dreistigkeit des Paters nicht verkneifen. Nach dieser Aktion bekam Bruder Eulogius, (bürgerlich Johann Braun)den Beinamen "ein Schlitzohr aus Rommerskirchen".
Marlis Hauschild Mit freundlicher Genehmigung des Schaufenster-Verlag. Abgedruckt am 11.8.2001 im "Schaufenster zum Sonntag".
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